Es ist selten, dass ein Bahnchef mit dem geschäftlichen halben Jahr «sehr zufrieden» ist, obwohl der Betriebsgewinn um 55 Prozent absackte. Doch Norbert Patt von den Titlis Bergbahnen hat plausible Gründe für seine optimistische Einschätzung. «Der weitere Besucherrekord nach der ausgezeichneten Wintersaison im Jahr zuvor hat unsere Erwartungen übertroffen», sagt Patt. Im Zeitraum vom November 2018 bis Ende April 2019 liessen sich 628 287 Personen von den Titlisbahnen befördern. Das kommt einer Steigerung von 1,4 Prozent gleich. Im Fünfjahresvergleich liegt das Gästeaufkommen der Titlisbahnen sogar mit 8,4 Prozent im Plus.

Das ist umso bemerkenswerter, weil die Engelberger ihrem starren Preisgefüge treu geblieben sind. Anders als etwa in Andermatt, locken sie nicht mit einem dynamischen Preismodell Schnäppchenjäger an.

Zuerst zu wenig, dann zu viel Schnee

Der Bahnbetrieb spülte im Winter-Halbjahr 23,8 Millionen Franken in die Unternehmenskasse. Weitere 10,2 Millionen nahm die Unternehmensgruppe mit den Hotels, Restaurants und weiteren Angeboten ein. Der Betriebsgewinn fiel trotzdem um 55 Prozent auf 2,9 Millionen Franken. Unter dem Strich resultierte auch ein deutlich tieferer Reingewinn von 2,4 Millionen nach 5,5 Millionen im Vorjahr. Für den Absacker gibt es verschiedene Ursachen. Eine davon ist das Wetter: Da im November und Dezember kein Schnee fiel, mussten die Pisten mit technischem Schnee präpariert werden. «Ohne technische Beschneiung wäre vor Weihnachten Schneesport nicht möglich gewesen», sagt Patt. Im Januar fiel dann aber der Schnee in derart rauen Mengen, dass zusätzliche Pistenfahrzeuge notwendig wurden.

ten schmälern einmalige Ereignisse die Aussagekraft des Vergleiches zu anderen Jahren. Patt: «Es fielen mehr Unterhaltsarbeiten als sonst an und wir nahmen bei den Projektierungskosten für die neue Bergstation zusätzliche Abschreibungen von einer Million vor.» Kommt hinzu, dass der Verkauf von Ferienwohnungen im Titlis-Resort vorläufig eingestellt wurde und darum von dort keine Einnahmen mehr flossen. Das Bahnunternehmen besitzt noch 21 Apartments, die sie vermietet.

Zahl der Individualgäste steigt weiter an

Der Umsatz der Titlisbahnen verteilt sich ziemlich gleichmässig auf das Winter- und Sommerhalbjahr. Schon seit ­einigen Jahren steigt die Zahl der Individualgäste kontinuierlich an. In der zurückliegenden Wintersaison fanden über 7 Prozent mehr von ihnen den Weg nach Engelberg, Skifahrer und Snowboarder nicht mitgezählt. «Unser Ziel ist es, dass sich die Gästestruktur über das ganze Jahr betrachtet zu je einem Drittel aus Gruppenreisenden, Individualgästen sowie Skisportlern zusammensetzt. Wir kommen ihm schrittweise näher», so Patt. Der Anteil der Gäste, die auf eigene Faust am Titlis unterwegs ist, tendiert heute gegen einen Viertel.

Keine Freude bereitet dem Bahnmanagement indes der Aktienkurs der Unternehmensgruppe. Seit sie vor einem Jahr ­bekanntgab, rund 100 Millionen Franken in die Bergstation zu investieren, büsste das Wertpapier am SPI rund 23 Prozent an Wert ein. «Natürlich bereitet uns das keine Freude. Allerdings wird die Aktie wenig gehandelt, was bei Verkäufen grössere Ausschläge mit sich bringt», sagt Patt. Die Analysten der Helvetia-Bank bewerten die Aussichten für die Titlisbahnen trotz des Kurseinbruches positiv. Die Sommersaison sei gut angelaufen und das ganzjährige Freizeitangebot breit gefächert. Das Bahnunternehmen habe es zudem geschafft, trotz Investitionen den Cashflow zu steigern. Das mache es fit für die anstehenden Investitionen. Das Fazit der Marktbeobachter: «Die Aktien der Titlis-Bergbahnen eigenen sich für Liebhaber als Beimischung in einem breit diversifizierten Portfolio – ähnliches gilt für Jungfraubahnen.»