Umweltschutz

Weniger und nachhaltiger: So wollen Nestlé, Aldi und Co. die Müllberge bekämpfen

Unternehmen engagieren sich im Kampf gegen Plastik.

Unternehmen engagieren sich im Kampf gegen Plastik.

Plastik sparen ist im Trend: Gleich mehrere grosse Unternehmen liessen diese Woche verlauten, dass sie sich in Zukunft vermehrt dagegen einsetzen wollen, dass Plastikmüll die Umwelt verschmutzt.

Nestlé gab am Dienstag bekannt, dass die Verpackungen der Produkte bis 2025 rezyklierbar und wiederverwendbar gemacht werden sollen. Dafür will Nestlé auf Einweg-Papier und andere Alternativen zu Plastik setzen.

Einen Tag später verkündeten rund 30 globale Konzerne aus der Chemie-, Kunststoff-, Konsumgüter und Abfallbranche, sie hätten ein Bündnis geschlossen, um Plastik-Müll in der Umwelt zu reduzieren. Die Unternehmen wollen bis 2024 rund 1,5 Milliarden Dollar in den Kampf gegen den Plastikmüll investieren. Teil der Allianz sind etwa die Energiekonzerne Shell und Total.

Detailhandel schon lange aktiv

Im Schweizer Detailhandel ist Plastiksparen schon lange ein Thema. Nach der Migros und Coop zieht nun auch Aldi Suisse nach. Das Unternehmen hat diese Woche bekannt gegeben, dass es in Zukunft Verpackungen sparen will. Ein Viertel weniger Plastik bis 2025, so lautet das Ziel.

Die Eigenmarken-Produkte des Detailhändlers sollen bis zu diesem Zeitpunkt in recyclingfähigen Verpackungen oder im Offenverkauf angeboten werden. Ausserdem nimmt Aldi Einwegprodukte aus Plastik aus den Regalen: Zum Beispiel Plastikbecher, Plastikteller oder -besteck. Damit könnten bis zu 15 Tonnen Plastik im Jahr eingespart werden, so Aldi Suisse in einer Mitteilung.

In der Obst- und Gemüseabteilung will Aldi in der Schweiz in diesem Jahr Laserbranding testen. Dabei wird die Deklaration der Kiwis nicht mehr auf einem Etikett oder einer Verpackung, sondern gleich direkt auf der Frucht angegeben. Ein Laser brennt die Angaben in die Schale ein, das Obst soll dabei nicht beschädigt werden. Ausserdem will Aldi die Kunststoffnetze in der Obst- und Gemüseabteilung gegen Netze aus Zellulose tauschen.

Auf langjährige Erfahrung im Kampf gegen Plastik können Coop und Migros zählen. Nicht nur seit die Plastiksäcke an der Kasse 5 Rappen kosten. Seit 2011 habe die Migros rund 10 000 Tonnen Verpackungsmaterial optimieren können, schreibt eine Sprecherin auf Anfrage. Bis 2020 sollen 6000 Tonnen folgen.

Die Migros habe den Vorteil, dass sie über 80 Prozent der Produkte selber herstelle. So könne sie direkt Einfluss auf die Verpackungen nehmen. «Das unterscheidet uns von anderen Mitbewerbern im In- und Ausland», so die Sprecherin. So habe die Detailhändlerin etwa die Verpackungsdicke von Kartoffeln reduziert. Alleine dadurch würden pro Jahr 20 Tonnen Plastik gespart.

Kein Plastik ist kein Thema

Ganz auf Plastik zu verzichten, ist für die Migros aber kein Thema: «Das erachten wir nicht als zielführend, da Verpackungen aus alternativen Materialien oft eine schlechtere Umweltbilanz aufweisen.» Auch im Sinne des Produktschutzes mache eine Plastikfolie Sinn: «Eine unverpackte Gurke ist nach einigen Tagen nicht mehr verkäuflich, in der Verpackung bleibt sie zwei Wochen frisch», so die Sprecherin.

Die Einführung von Laserbranding ist für die Migros momentan kein Thema. «Diese Variante haben wir bereits geprüft», gibt die Sprecherin Auskunft. «Wir haben allerdings festgestellt, dass viele Produkte unter der Kennzeichnung verdorben sind.» Ausserdem hat die Migros Bedenken, ob sich der logistische Aufwand lohnt. «Solche Lasermaschine gibt es in der Schweiz bis jetzt nicht, sondern nur in Holland. Die Migros müsste somit alle Produkte nur zum Lasern weit transportieren, was sowohl aus ökologischen Gründen als auch wegen der höheren Kosten nicht infrage kommt», so die Sprecherin.

Ähnlich tönt es bei Coop. Zwar wagte Coop diesen Sommer einen Versuch und verkaufte Wassermelonen, die mit Laser markiert waren. «Derzeit fehlt es uns allerdings noch an Erfahrungswerten, insbesondere, was die Haltbarkeit weiterer gelaserter Produkte angeht», so eine Sprecherin von Coop.

Auch sie verweist auf die logistische Herausforderung, die es mit der Einführung von Lasermarkierungen zu bewältigen gäbe. «Für unsere vergleichsweise kleinen Bio-Lieferanten würde die Anschaffung einer Laser-Maschine eine grosse Investition darstellen. Wir werden keine solchen Anschaffungen verlangen, solange nicht zweifelsfrei erwiesen ist, dass diese Methode die ökologisch sinnvollste Variante ist.»

Beide Detailhändler haben sich vorerst für die Lösung entschieden, Gemüse womöglich mit Aufklebern zu markieren, statt in Plastik zu packen.

Autor

Rebekka Balzarini

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