Anekdoten

Wer mit Billig-Airlines fliegt, hat was zu erzählen

Manchmal ist Geduld gefragt, wenn man mit Billig-Airlines wie Air Berlin fliegt.

Manchmal ist Geduld gefragt, wenn man mit Billig-Airlines wie Air Berlin fliegt.

Air Berlin ist am Ende. Drei Mitarbeiter der «Nordwestschweiz» erzählen, was sie auf Flügen mit Billig-Airlines schon erlebt haben.

Ciril Kammermann: Für ein Trinkgeld quer durch Europa

Von Basel nach Zypern für den Preis einer Tasse Kaffee? Oder doch lieber nach Bulgarien? Geht nicht? Doch, geht! Dublin oder Brüssel sind sogar für zwei «Stutz» möglich, inklusive Steuern und Gebühren. Wer es etwas teurer mag, macht – wie ich kürzlich – für zehn Euro einen Abstecher nach Georgien oder Rumänien; oder fliegt, für fünf Franken ab Zürich, kurzerhand zum Abendessen nach Lissabon.

Alles kein Problem, heutzutage. Noch bis heute um Mitternacht verhökert Ryanair Tickets ab fünf Euro. Es geht aber noch unverschämter: 2015 entdeckte ich einen Easyjet-Flug Basel–Larnaca für –0,43 Euro. Auf die Überweisung des Betrages warte ich allerdings noch heute. Der günstigste Flug im «Plusbereich» (Basel–London) kostete mich sechs Rappen. Da kauft man auch schon mal zwei Rückflugtickets an verschiedenen Daten.

Samuel Schumacher: Platz für Gesang statt Raum für die Beine

Ich sass eingepfercht zwischen zwei Geschäftsleuten auf einem Abendflug von Denver nach Phoenix mit der amerikanischen Billig-Airline «Southwest». Die Wanderschuhe hatte ich nach dem Trekking-Trip gar nicht erst ausgezogen, das verschwitzte T-Shirt auch nicht. Ich wollte nur möglichst rasch nach Hause. Die Knie in die Rückenlehne des Vordersitzes gepresst, die Ellenbogen eingezogen. Ich stellte mich auf zwei unbequeme Stunden in einem typischen Eco-Billigflug ein.

Und dann, dann begann der Flugbegleiter vorne im Gang plötzlich zu singen. Er sang nicht irgendwas, er sang die Sicherheitsinstruktionen. «Das machen sie meistens bei ‹Southwest›», knurrte mein Sitznachbar. «Das ist ja genial», dachte ich. Raum für lange Beine gibt es bei «Southwest» zwar kaum. Aber der Kreativität wird in deren Billig-Fliegern viel Platz eingeräumt.

Europas grösste Billig-Airlines:

Laurina Waltersperger: Ein Pilot, der noch anpackt

Es ist eine Hassliebe, die wir miteinander pflegten. Du, liebe Air Berlin und ich. Verlässlich hast du mich einmal im Jahr sitzenlassen, zuletzt im September in Berlin. Flug gestrichen. Als es am Folgetag weitergehen sollte – wir sassen alle schon in der Maschine –, räusperte sich der Pilot durchs Mikrofon. Das Gepäck sei mit den Barcodes vom Vortag versehen. Die «Umetikettierung» dauere zwei Stunden. Man entscheide sich für eine andere Lösung. Die Crew verliess das Flugzeug, kam wenige Minuten später mit den Koffern zurück, stapelte diese unter die freien Sitze. Keiner habe gesagt, dass das Gepäck nicht in die Kabine dürfte, so der Pilot. Ich musste schmunzeln, auf meiner letzten Meile mit Air Berlin. Diese kafkaeske Komik in der Kabine zum Ende. Ach, liebe Air Berlin, ich werde dich doch vermissen.

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