An vorderster Front setzt sich der Zigarettenkonzern British American Tobacco (BAT) mit Sitz in Lausanne für den Bau zusätzlicher Fumoirs ein. Das Unternehmen, das mit Marken wie Parisienne oder Lucky Strike mehr als ein Drittel des Schweizer Marktes kontrolliert, beteiligt sich seit geraumer Zeit mit 15 Prozent an den Baukosten von Raucherräumen. Der Rabatt des Tabakkonzerns fällt für die Wirte stark ins Gewicht: Je nach Grösse und Ausstattung beträgt der Investitionsbedarf zwischen einigen tausend bis mehreren zehntausend Franken.

Philip Morris dementiert

Ob es sich um ein bedientes Fumoir oder ein unbedientes Fumoir handelt, spielt für British American Tobacco bei der Gewährung des Rabatts keine Rolle. Bloss eine Auflage müssen die Wirte laut Sprecher Christophe Berdat erfüllen: In ihrem Restaurant dürfen ausschliesslich BAT-Zigarettenautomaten stehen. Ist dies der Fall, dürfen die Gastrobetriebe zwischen zwei Unternehmen auswählen, die auf die Einrichtung von Raucherräumen spezialisiert sind. Eines stammt aus dem Kanton Aargau, das andere aus Frankreich.

Wie viele Restaurants in den letzten Jahren vom Fumoir-Rabatt Gebrauch gemacht haben, kann BAT-Sprecher Berdat nicht sagen. Dass es das Angebot gibt, bestätigt er aber ohne Umschweife.

Wie Recherchen der az belegen, beteiligt sich auch der Schweizer Marktführer Philip Morris (Marktanteil: 43,5 Prozent) an den Baukosten von Fumoirs, jedoch in geringerem Ausmass und nur auf Anfrage einzelner Restaurants. Im Gegensatz zur Konkurrenz vermeidet es der Konzern, mit dem Rabatt auf seiner Internetseite Werbung zu betreiben. Sprecherin Marija Sommer dementiert auf Anfrage der az sogar, dass Philip Morris solche Rabatte gewähre.

«Können es nicht verbieten»

Politisch engagierte Mediziner finden die Fumoir-Förderung problematisch. Der auf Krebskrankheiten spezialisierte Tessiner Medizinprofessor und Alt-Nationalrat Franco Cavalli (SP) kritisiert: «Die Tabakindustrie hat in den letzten Jahrzehnten auf der ganzen Welt schon alles Mögliche unternommen, um das Rauchen weiter zu verbreiten. Dass die Zigarettenhersteller in der Schweiz jetzt auch noch Fumoirs finanzieren, finde ich bedenklich.»

Von einem «klassischen Beispiel für das Agieren der Tabaklobby» spricht die St. Galler Ärztin und Nationalrätin Yvonne Gilli (Grüne). Firmen wie BAT und Philip Morris gehe es darum, das Rauchen trotz Rauchverbot an möglichst vielen Orten zu ermöglichen. «Die Konzerne nutzen sämtliche Nischen, die in irgendeiner Form legal sind.» Genau hier liege das Problem: «Wir können Restaurationsbetrieben nicht verbieten, Geld von den Tabakfirmen anzunehmen. Das sind private Unternehmen.» Diese Einschätzung teilt auch das Bundesamt für Gesundheit in Bern. Laut der Sprecherin Simone Buchmann verstossen die Rabatte der Tabakkonzerne gegen kein Gesetz. «Beim Bau eines Fumoirs müssen einzig die kantonalen Vorgaben betreffend Lüftung eingehalten werden», erklärt Buchmann.