Onlineshops
Wieso das Internet Arbeitsplätze gefährdet

Onlineshops sind in der Schweiz weiterhin auf dem Vormarsch – dadurch gehen Jobs verloren.

Thomas Schlittler
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Die alte Flimmerkiste reicht nicht mehr, ein neuer Fernseher muss her. Die Auswahl ist riesig. Der Elektronikfachmann erklärt dem Kunden geduldig die Vor- und Nachteile der verschiedenen Geräte. Dieser läuft nach 30 Minuten mit einem neuen TV-Gerät aus dem Laden.

Verkaufsszenen wie diese werden in der Schweiz Jahr für Jahr seltener – besonders im Heimelektronik-Bereich. Gemäss einer gestern präsentierten Detailhandelsstudie der Credit Suisse (CS) erwirtschaftete diese Branche 2014 bereits 26 Prozent des Umsatzes im Internet. Bis 2020 rechnen die CS-Ökonomen bei Heimelektronik-Artikeln gar mit einem Onlineanteil von fast 40 Prozent. Auch im Bereich Bekleidung und Schuhe wächst der Onlineanteil stark (2014: 14 Prozent). Einzig im Lebensmitteldetailhandel steckt der E-Commerce noch in den Kinderschuhen (1,6 Prozent).

Einkaufstourismus stagniert auf hohem Niveau

Die Umsätze im Schweizer Detailhandel entwickeln sich verhalten. Für 2015 rechnen die Ökonomen der Credit Suisse (CS) mit einem nominalen Wachstum von 0,7 Prozent. Doch die gute Nachricht ist: Es wandert nicht mehr Geld ins grenznahe Ausland ab als bisher. Die Situation scheint stabil: Die Mehrwertsteuereinnahmen aus dem privaten Reiseverkehr in die Schweiz stagnierte das dritte Jahr in Folge, schreiben die CS-Ökonomen in einer gestern präsentierten Studie. Der Einkaufstourismus dürfte 2015 auf hohem Niveau verharren. Grund sei die Stabilisierung bei der Wechselkurs- und Preisentwicklung. Hingegen hat die CS festgestellt, dass die Anzahl Ausfuhrbescheinigungen zur Rückforderung der Mehrwehrsteuer, die sich Schweizer Konsumenten am deutschen Zoll abstempeln liessen, deutlich gewachsen ist. Der grössere Zettelstapel (plus 16 Prozent) sagt aber kaum etwas aus über die Entwicklung des Einkaufstourismus, sondern beweist nur die intensivere Nutzung der Rückerstattung. (SDA)

Druck auf Beschäftigung

Die Experten sind überzeugt, dass der Onlinehandel auch in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird. Mit negativen Folgen für den Arbeitsmarkt: «Onlinehändler kommen tendenziell mit weniger Personal aus», sagte Patricia Feubli, Senior Economist bei der CS. Analysen hätten ergeben, dass die Beschäftigung im Detailhandel mit wachsendem Anteil des Onlinehandels weniger stark wächst. Ein wichtiger Grund dafür: Ein reiner Onlinehändler setzt Software anstelle von Mitarbeitenden ein, die im stationären Detailhandel Beratung, Sortimentmanagement und Zahlungsabwicklung übernehmen. Allerdings sehen die Autoren nicht nur schwarz: Dafür brauche es im Onlinehandel mehr Mitarbeitende in der Logistik oder der Administration. Das schwäche den Negativeffekt ab.

Für die Konsumenten ist der Druck auf die Beschäftigung von Vorteil. Denn was die Onlinehändler beim Personal einsparen, geben sie mit tieferen Preisen weiter. Das ist nicht der einzige Kostenblock, der bei reinen Onlinehändlern wegfällt: Sie bezahlen zum Beispiel auch keine Miete für Verkaufsstellen. Weiter führt die Verbreitung des Onlinehandels zu tieferen Markteintrittsbarrieren. Die CS dazu: «Um erfolgreich in den Markt einzutreten, kann auf ein simples Marketinginstrument gesetzt werden: tiefe Preis.» Das gilt auch für ausländische Anbieter.

Trotz des starken Onlinewachstums in den letzten Jahren: Die Experten sind überzeugt, dass der stationäre Detailhandel immer eine wichtige Rolle spielen wird. Das zeigt das Beispiel Grossbritannien, wo der Onlineanteil bereits um einiges höher ist – nun aber deutlich weniger schnell wächst.