Von Urs Moser

Die Regierung versichert: Unter der Verpflichtung, grosse Kulturinstitutionen in Zürich und Luzern mit 5 Millionen zu unterstützen, wird das Kulturbudget im eigenen Kanon nicht leiden. Und selbst wenn: Dank der Hoffnung der Schweizer auf das grosse Los steht den Kantonen eine prall gefüllte Schatulle für ein grosszügiges Mäzenatenum ausserhalb der ordentlichen Budgets zur Verfügung.

Über 27 Millionen flossen 2008 in den Aargauer Lotteriefonds bzw. neu Swisslos-Fonds. Trotz einem ausserordentlichen Brocken von 10 Millionen für die Protonentherapie des Paul-Scherrer- Instituts (PSI) blieben am Schluss noch 2 Millionen übrig, um das Fondsvermögen aufzustocken. Es beläuft sich heute auf über 41 Millionen Franken.

In die Kultur flossen letztes Jahr 5,3 Millionen aus dem Swisslos-Fonds. Die Beiträge bleiben plus, minus konstant, allerdings mit steigender Tendenz. Für förderungswürdig wird allerhand befunden. Jeder zweite Kulturveranstalter, der einen Anteil des Lottosegens für sich begehrt, bekommt ihn auch. 249 Unterstützungsgesuche gingen letztes Jahr ein, 126 Kulturprojekte erhielten einen Beitrag. Gewissermassen ein niederschwelliges Angebot für hilfesuchende Kulturschaffende.

Zuständig für die Vergabe ist die Regierung. Sie entscheidet aufgrund des Antrags der Abteilung Kultur im Departement von Regierungsrat Alex Hürzeler. Dort ist Petra Miersch für die Belange des Swisslos-Fonds zuständig. Sie verwahrt sich gegen den Verdacht, man gehe etwas gar grosszügig mit den Lottomillionen um.

Die hohe Quote bewilligter Gesuche liege nicht an einer zu wenig strengen Prüfung, sondern sei auf die gestiegene Qualität der Eingaben zurückzuführen. Der frühere «Kulturminister» Rainer Huber war eigens durch den Kanton getourt, um den potenziellen Nutzniessern die Kriterien für die Ausschüttungen aus dem Füllhorn zu erklären.

Unterstützt werden auch Denkmalpflege, Entwicklungshilfe oder wissenschaftliche Projekte. Für die Kultur gilt: Für einen Beitrag müssen Projekte entweder von gesamtschweizerischer Bedeutung sein oder dann doch einen klaren Bezug zum Aargau haben. Und was Aargauer Kulturschaffende mit Hilfe von Lottogeldern leisten, sollte nicht lokal ausgerichtet sein, sondern muss eine Ausstrahlung über die Kantonsgrenzen hinaus haben.

Darunter fällt einiges. Die Publikation «Kleiner Sprachatlas der deutschen Schweiz» der Universität Zürich zum Beispiel ist der Regierung eine Beteiligung von 17 000 Franken wert, bei der Vielzahl der unterstützten Projekte bereits eine ansehnliche Summe. In der Populärausgabe des Mammutwerks über die Dialekte werde «auch auf die immer wieder feststellbare Heterogenität des Kantons Aargau eingegangen», heisst es zur Begründung.

Wundern mag man sich, warum die von der Basler Produktionsfirma Team Stratenwerth erstellte Dokumentation über Amateurfilmer der 30er- und 40er-Jahre für das Aargauer Kulturschaffen von so eminenter Bedeutung ist, dass sie mit 25 000 Franken alimentiert wurde. Zumal die Basler ja bereits das Schweizer Fernsehen als Ko-Produzenten an Bord hatten. Die Antwort folgt auf dem Fuss: Zu den Pionieren der filmischen Dokumentation des Alltags gehörten auch drei Aargauer, darunter der Bauer und spätere Nationalrat Karl Steiner.