Wirtschaft

«Wöchentlich peinlich»: Kunden beklagen Pannen-Serie bei der Swisscom

Bei den letzten zwei Netz-Pannen der Swisscom fielen die Notrufnummern aus. Hier sieht man die Notrufzentrale Bern. (Bild: Gaetan Bally/Keystone, 24. Oktober 2017)

Bei den letzten zwei Netz-Pannen der Swisscom fielen die Notrufnummern aus. Hier sieht man die Notrufzentrale Bern. (Bild: Gaetan Bally/Keystone, 24. Oktober 2017)

Nach mehreren gravierenden Pannen mit Ausfällen der Notrufnummern liegen die Nerven beim Schweizer Telekomkonzern blank.

«Swisscom – das beste Netz der Schweiz»: Unter diesem Titel schaltete der Schweizer Telekomkonzern auch am Mittwoch Anzeigen auf Google. Die Realität sah anders aus: Erneut sorgte eine Swisscom-Panne für Aufsehen. Am Morgen funktionierte das mobile Internet nicht mehr. «Betroffen war ein kleiner Teil der Mobilkunden», sagt eine Swisscom-Sprecherin. Die Einschränkung sei ab frühmorgens 3 Uhr 40 während fünf Stunden beeinträchtigt gewesen.

Gemessen an den jüngsten Störungen bei Swisscom war der Vorfall nicht so schwerwiegend. Dennoch ergoss sich auf dem Kurznachrichtendienst Twitter Häme über der «Pannencom». «Wöchentlich peinlich», befand ein Kunde, «es ist offensichtlich, dass ihr diese Technik nicht beherrschen könnt», befand eine Kundin.

Das Swisscom-Netz war am heutigen Mittwoch in der Nordschweiz und Teilen der Ost- und Westschweiz gestört. (Bild: www.allestörungen.ch/Open Street Map)

Das Swisscom-Netz war am heutigen Mittwoch in der Nordschweiz und Teilen der Ost- und Westschweiz gestört. (Bild: www.allestörungen.ch/Open Street Map)

Totalausfälle alarmieren die Politik

Weit gravierender hingegen war der Ausfall vor einem Monat, als eine schweizweite Panne das Netz lahmlegte und selbst ­Notrufnummern nicht mehr ­erreichbar waren. Und verheerend ist, dass sich die Probleme zu einer eigentlichen Pannen­serie aufsummieren, die nicht ­abreissen will:

  • 7. Februar 2018: Swisscom gibt bekannt, dass die Namen, Adressen und Geburtsdaten von rund 800' 000 Kunden entwendet wurden.
  • 11. Juli 2019: Bei Swisscom wird ein Datenverlust beim Onlinespeicherdienst Mycloud bekannt. Dateien von mehreren Hundert Kunden wurden versehentlich gelöscht.
  • 16. Oktober 2019: In Zürich fallen die Notrufnummern 112 und 117 der Stadtpolizei zwei Stunden aus. Grund sind laut Stadtpolizei Wartungsarbeiten von Swisscom. Ein zweiter Ausfall folgt am 25. Oktober.
  • 17. Januar 2020: Das Festnetz von Swisscom ist massiv gestört. Notrufnummern von Polizei, Feuerwehr und Ambulanz sind nicht erreichbar.
  • 11. Februar 2020: Zum zweiten Mal im laufenden Jahr kommt es zu einer landesweiten Störung im Swisscom-Netz mit Ausfall der Notrufnummern. Als Ursache nennt Swisscom Wartungsarbeiten.

Als es letzte Woche erneut zu der grossen, landesweiten ­Störung im Swisscom-Netz mit Ausfall der dreistelligen Kurznummern von Polizei, Feuerwehr und Ambulanz kam, schaltete sich die Politik ein - Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga liess die Pannenserie für das nächste Eigner-Gespräch mit der Swisscom traktandieren, das dieser Tage stattfindet. Der Bund erwartet als Hauptaktionär, «dass die Swisscom jederzeit eine qualitativ einwandfreie Grundversorgung gewährleisten kann», wie ein Sprecher des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation klarstellt. Zudem plant die Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen im Nationalrat eine Anhörung der Swisscom-Spitze.

«Ein Totalausfall wie im Januar hätte sich auf keinen Fall wiederholen dürfen», sagt Jean-­Claude Frick, Tele­kom­experte beim Vergleichsdienst Comparis. «Bei der nächsten Rechnung werden sich Kunden fragen, ob sie den Anbieter wechseln oder weiter Swisscoms Premium­preise zahlen, wenn nicht klar ist, ob Notrufnummern immer funktionieren.»

Salt, Sunrise und UPC an Notrufzentralen anbinden

Heute werden Notrufe aus dem Salt-, Sunrise- oder UPC-Netz über Swisscom in die Notrufzentralen geleitet. Steigt das IP-System von Swisscom aus, läuft gar nichts mehr. «Deshalb sollten Salt, Sunrise und UPC zumindest bei den wichtigsten Notrufzentralen einen direkten Anschluss erhalten», fordert Ralf Beyeler, Telekomexperte beim Vergleichsdienst Moneyland.

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