Kolumne
Seitenblick: von A wie Arnika bis Z wie Zäpfli

Redaktorin Carmen Rogenmoser über die erstaunliche Entwicklung ihrer Hausapotheke.

Carmen Rogenmoser
Carmen Rogenmoser
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Mich fröstelt es. Ich ziehe die Decke enger um mich und halte mir den Fiebermesser ans Ohr: 38,2 Grad. Ich gebe mich geschlagen – mich hat es einmal mehr erwischt. Sehnsüchtig denke ich an früher. Ich war doch nie krank, hatte ein gutes Immunsystem. Meine Hausapotheke bestand eigentlich nur aus Alka Seltzer, und das hatte weniger mit einer fiesen Erkältung als eher mit der gemeinen Sonntagsgrippe zu tun.

Das alles änderte sich vor gut vier Jahren. Seither kämpfe ich mich zusammen mit Mann und Kindern durch eine Serie von Infektionen, Kinderkrankheiten, kleineren Wehwehchen sowie grösseren Beulen und Blessuren. Die bisher letzte Episode: eine Bindehautentzündung. Im Gleichschritt mit der Erweiterung unserer Familie hat sich so auch unsere Hausapotheke entwickelt. Mittlerweile gibt es bei uns Schmerzmittel als Sirup und als Zäpfchen, drei verschiedene Fiebermesser, Cremes für ein wundes Füdli, für Schürfungen und für Ekzeme. Pflaster stehen in allen Grössen und Formen zur Verfügung. Die Arnika-Globuli räume ich gar nicht mehr weg. Sie stehen in der Küche stets griffbereit.

Ein Husten da, ein Niesen dort, glasige Augen, rote Backen und schlechte Laune sind häufig keine guten Vorzeichen. In der Regel wird's halb so schlimm. Bei Bauchweh und Appetitlosigkeit aber kommt bei mir regelrecht Panik auf. Eine Magen-Darm-Grippe mit Kleinkindern ist der Horror (schnell auf Holz klopfen).

Ist eines der Kinder krank, bedeutet das für meinen Mann und mich meist schlaflose Nächte. Anschliessend haben die Viren und Bakterien auch bei uns leichtes Spiel. Kaum sind die Kleinen wieder auf den Beinen, spürt man selber das erste Kratzen im Hals oder eben ein flaues Gefühl in der Magengegend.

Ebenfalls unangenehm: die Umorganisation. Morgen wäre ein wichtiges Meeting: Sorry Chef, in diesem Zustand kann ich den Sohn nicht zu den Grosseltern bringen. Auf das Treffen mit den Freundinnen freue ich mich schon seit Wochen: Keine Chance, die Tochter möchte nur bei Mama sein. Da gibt's nur eins: in den sauren Apfel beissen und Prioritäten setzen.

Irgendwann werden die lieben Kleinen das nötige Rüstzeug für ihr eigenes Immunsystem hoffentlich gesammelt haben. Bis dahin gilt: Fortsetzung folgt.