Strafgericht

Doch kein Menschenhandel in Basel: Prostituierte will nicht mehr aussagen

Eine Prostituierte, die in Basel arbeitet (Symbolbild)

Eine Prostituierte, die in Basel arbeitet (Symbolbild)

Kein Menschenhandel, aber Verurteilungen wegen Förderung der Prostitution und versuchter Nötigung: Das Basler Strafgericht verurteilte am Mittwoch zwei Männer aus Albanien im Alter von 32 und 44 Jahren zu unbedingten Freiheitsstrafen von jeweils 11 und 15 Monaten.

Es war einer jener Fälle, in denen die Darstellungen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung kilometerweit auseinanderliegen. Das Verfahren nahm seinen Lauf, als vor rund drei Jahren eine aus Albanien stammende Prostituierte bei einer Millieukontrolle in Olten mit einem gefälschten Ausweis aufflog. Die Frau erzählte, sie sei im Jahr 2015 in Albanien vom heute 32-Jährigen angeworben worden, er bezahlte auch die Kosten für den Flug nach Basel im Voraus.

Der 44-Jährige hingegen habe sie dann in Basel am Flughafen abgeholt und in ein Bordell am Claraplatz vermittelt. Dort sei sie dann von den Männern später auch bedroht worden, obwohl sie ihre Schulden bereits abbezahlt habe. Die Frau trennte sich zuvor von ihrem Ehemann, stand finanziell vor dem Ruin und kämpfte um das Sorgerecht ihrer Tochter.

Sie macht keine Aussagen mehr

Nach mehr oder weniger diffusen Drohungen aus der Verwandtschaft will sie mit dem Verfahren inzwischen nichts mehr zu tun haben und macht auch keine Aussagen mehr. Da Beschuldigte aber das Recht auf eine sogenannte Konfrontationseinvernahme haben, an der sie oder zumindest ihr Anwalt konkrete Fragen stellen dürfen, stellte sich wie oft die Frage der Verwertung der Opferaussagen.

Verteidiger Philippe Spitz sprach von einer «rührseligen Geschichte», die Frau habe hier als Prostituierte arbeiten und Geld verdienen wollen. Es handle sich dabei eben gerade nicht um Menschenhandel. Die Frau konnte durch ihre Opferstellung in der Schweiz bis ins Jahr 2020 als Prostituierte weiterarbeiten, inzwischen hat sie einen Schweizer geheiratet.

Aussagen genügten trotz fehlender Konfrontation

«Von den Untersuchungsbehörden wurde alles unternommen, damit die Belastungszeugin aussagt», betonte Staatsanwältin Franziska Fischer. Menschenhandel sei eine hochkomplexe Problematik, Einschüchterungen kämen dabei vor.

Auch habe eine arbeitslose und getrennt lebende Frau in Albanien kaum Perspektiven. Das Dreiergericht beurteilte die Aussagen trotz fehlender Konfrontation als verwertbar, zumal die Frau nachweislich bedroht worden war: Ein Festhalten am Konfrontationsrecht sei in einem solchen Fall rechtsmissbräuchlich.

Nicht alle Fragen wurden vollständig geklärt

Da das Gericht die Frau aber nicht mehr direkt befragen konnte, wertete man gewisse Punkte zurückhaltend: Ob die sexuelle Ausbeutung von Anfang an geplant war und ob die Frau vor der Reise in die Schweiz getäuscht worden ist, blieb unklar. Das Gericht kam deshalb beim Vorwurf des Menschenhandels zu Freisprüchen. Finanzielle Druckversuche über die Reisekosten hinaus wertete das Gericht allerdings klar als Förderung der Prostitution.

Beide nun verurteilten Männer sassen schon im Gefängnis, ein bedingter Strafvollzug schied damit aus. Das Urteil kann noch weitergezogen werden. Eine Genugtuung erhält die Frau nicht, weil sie ihre Zivilforderungen zurückgezogen hatte.

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