Prostitution

Loverboy-Masche in Basel? Wenn die erste Liebe auf Instagram beginnt und auf dem Strich endet

Die meisten Begegnungen mit Loverboys beginnen auf sozialen Medien.

Die meisten Begegnungen mit Loverboys beginnen auf sozialen Medien.

Loverboys verführen junge Frauen und zwingen sie zur Prostitution. Ein Basler EVP-Politiker vermutet die Machenschaften in Basel und will gegen die Liebes-Betrüger vorgehen.

Nina* ist 14 Jahre alt und hat die Schule gewechselt. Sie hat Stress mit den Eltern und verbringt zunehmend Zeit in Chatrooms. Dort lernt sie Luca* kennen, der sich als ihr Traumprinz ausgibt. Nina verliebt sich unsterblich. Sie beginnt eine intensive Beziehung zu Luca und verbringt ihre Zeit nur noch mit ihm. Wenige Wochen später verkauft Luca sie an den ersten Freier in einem Hotelzimmer. Nina ist in eine Falle geraten, aus der sie alleine kaum wieder herauskommt.

Diese Geschichte wird auf der Webseite des Beratungs- und Schulungszentrums «Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung Act212» geschildert. Nina ist einem Loverboy zu Opfer gefallen: Junge Männer, die vulnerable, meistens minderjährige Frauen verführen und sie in eine Abhängigkeitssituation einbinden. Sie isolieren sie von der Familie und den Freunden. Danach werden sie gezwungen, sexuelle Dienstleistungen zu erbringen.

Anzug im Grossen Rat

Gegen diese perfide Art von sexueller Ausbeutung will EVP-Grossrat Thomas Widmer-Huber vorgehen. In einem Anzug fordert er das Erziehungsdepartement auf, Lehrpersonen und Eltern über das Vorgehen der Loverboys aufzuklären und fordert Präventionsmassnahmen. Irene Hirzel, die Geschäftsführerin von Act212, erachtet solche Schulungen als unumgänglich, um gegen die Problematik von Loverboys zu kämpfen.

Präventionsfilm Lover Boy

Denn von selbst würden Opfer praktisch nie Hilfe suchen. Sie seien so stark emotional abhängig, dass sie ihren Loverboy immer wieder verteidigen und rechtfertigen. «Er liebt mich ja» könne man bei der Opferhilfe immer wieder hören. «Das soziale Umfeld muss auf einige Merkmale achten: Wenn die Schulresultate drastisch sinken, ein Mädchen ihre ganze Zeit auf soziale Medien verbringt oder von einem teuren Luxusauto nach der Schule abgeholt wird.»

Fast alle sind minderjährig

Act212 hat die Nationale Meldestelle im Oktober 2015 eröffnet, seit drei Jahren sind vermehrt Meldungen eingegangen, die von Schweizer Mädchen und der Loverboy-Masche handeln. Insgesamt sind es 30. Dabei handelt es sich um 13 bis 28-Jährige, wobei eine grosse Mehrheit davon minderjährig ist. Unter den Opfern ist auch ein junger Mann, der in der homosexuellen Prostitution verkauft wurde. Dabei handeln Loverboys praktisch alle nach der selben Masche: Sie wählen Opfer, die in einer psychisch instabilen Situation sind: Schwierige Familienverhältnisse wie Scheidungen oder Wegzüge. «Solche Situationen können Jede und Jeden treffen», sagt Irene Hirzel.

Die Begegnung erfolgt fast immer über soziale Medien. Es entwickelt sich eine Liebesbeziehung, wobei das Mädchen zunehmend von ihren sozialen Netzen isoliert wird. Der Loverboy stellt sich oft gegen ihre Eltern. «In einigen Fällen nehmen sie den Opfern das Handy weg oder zwingen sie dazu, ihre Konten auf sozialen Netzwerken zu löschen.» Danach kommt die sexuelle Ausbeutung: Der Mann sagt zum Beispiel, er brauche schnell Geld, sie könne ihm helfen, wenn sie mit dem Kollegen schlafe, der dafür bezahlt. Physische und psychische Gewalt oder die Erpressung mit erotischen Bildern gehören auch dazu.

Oft sind die Täter nicht viel älter als die Opfer. Im Durchschnitt sind sie zwischen 20 und 25 Jahre alt. «Der Jüngste war 15 Jahre alt», erklärt Irene Hirzel. Das Wissen um diese Täter bleibt beschränkt: Man ahnt, dass manchmal Gruppen hinter den Straftaten stecken, es gibt jedoch noch zu wenig Hinweise. Teilweise sind es Sozialhilfebezüger, aber nicht alle. «Womöglich träumen sie vom schnellen Geld.» Eines steht aber für Hirzel fest: «Sie sind manipulativ, skrupellos und Machos». Die Meldestellen vermuten zudem eine hohe Ziffer an Fällen, die nicht aufgedeckt bleiben, weil die Masche zu wenig bekannt ist.

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